Historie

Geschichte der Schule - von Alfred Lins

Die Anfänge


Die Kaiserin Maria-Theresia war es, die im Jahre 1774 in den österreichischen Erblanden die allgemeine Schulpflicht einführte. In Dogern allerdings wurde schon Schule gehalten, bevor diese staatlichen Maßnahmen griffen. Irgendein begabter Ortsbewohner, der des Lesens, Schreibens und des Rechnens "in überdurchschnittlicher Weise" kundig war, übernahm diese Aufgabe. Ein Schulhaus gab es nicht. Der Unterricht fand in der Wohnung des jeweiligen Lehrers statt. Die Entlohnung war gering und bestand zum Teil aus Naturalien. Nebeneinnahmen besserten das karge Gehalt etwas auf. So etwa wird aus dem Jahre 1749 von einem "Schulmeister" Johann Keller berichtet, der im Auftrag der Rosenkranzbruderschaft Gesangbücher abschrieb. Später übten viele Lehrer auch den Organistendienst in der Pfarrkirche aus.
Nach der oben erwähnten Einführung einer verbindlichen Schulordnung konnte als Lehrer nur noch eingestellt werden, wer sich in Freiburg einer Ausbildung unterzogen hatte. Als erster Dogerner Lehrer nahm Leonhard Gamp an einem solchen Kurs teil. Vorbereitet wurde er dabei für das Vermitteln von "Schön- und Rechtschreiben", für die Unterweisung in der "Zahlrechenkunst" und für das Erteilen von "Extraunterricht". Gamp, der nach seiner Verheiratung im Jahre 1871 Hirschenwirt wurde, der Schule jedoch weiterhin eng verbunden blieb, entledigte sich seiner Aufgabe mit bemerkenswertem Geschick. Bald wurde das "KK Schulkommissariat Säckingen" auf den tüchtigen Schulmann aufmerksam und ernannte ihn zum "Oberlehrer der Einung Dogern".

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Das erste Schulhaus


Leonhard Gamp hat viele Aufzeichnungen gefertigt, die ein anschauliches Bild der schulischen Verhältnisse in der damaligen Zeit vermitteln. So berichtete er im Jahre 1818 darüber, dass die Dogerner Schule noch immer nicht über ein eigenes "Lokal" verfüge. Der Unterricht fand in der Privatstube des Krämers Johann Brudsche statt. Der Gemeinde schien dies nicht unangenehm zu sein, sparte sie doch das Holz für das Beheizen dieses Raumes. Deshalb mussten die Kinder während der kalten Monate täglich ein Scheit Holz zum Unterricht mitbringen. Mit der ihm eigenen Hartnäckigkeit forderte Gamp die Errichtung eines eigenen Schulhauses. Auch das Bezirksamt mahnte ein solches immer wieder an. Viele Jahre vergingen jedoch noch, und erst im Jahre 1828 war es dann soweit: Das neue Schulhaus war fertiggestellt. Dabei handelt es sich um jenes Gebäude, in dem heute das Rathaus untergebracht ist. Samt Ökonomiegebäude kostete es 2 900 Gulden, wozu der Staat 710 Gulden beisteuerte. Es enthielt zwei Säle, einen für den Hauptlehrer und einen für den "Unterlehrer" sowie für den Religions- und den "Industrieunterricht" (Handarbeit).

Das erste Schulhaus
Bild: Das im Jahre 1828 errichtete Schulhaus, in dem jetzt das Rathaus untergebracht ist

Hatte sich das neue Schulhaus anfangs als der Stolz der Gemeinde erwiesen, so wurde dieses bald zu einer Last. Mängel traten auf, die bei Ortsbereisungen immer wieder zu Beanstandungen führten. Die Zimmer seien voller Staub, so heißt es in einem Bericht, und die Decken und Wände seien seit Jahren nicht mehr "geweißelt" worden. Der "Abtritt" gleiche gar einem Schweinestall. Dieser bestand zunächst lediglich aus einem Kübel, der meist zum überlaufen voll war. Kurz vor der Wende zum 20. Jahrhundert wurde das Schulhaus als "alter Bau" bezeichnet, doch ließen die finanziellen Möglichkeiten der Gemeinde keinen Neubau zu.

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Die Schulpflicht

Mit der Erfüllung der Schulpflicht war es anfänglich nicht zum Besten bestellt. Schickten die Eltern ihre Kinder während der Wintermonate noch einigermaßen regelmäßig zur Schule, so war dies im Sommer durchaus nicht immer der Fall, weil man die Kinder zur Feldarbeit zurückhielt. Besondere Sorgen bereiteten dem bereits erwähnten Leonhard Gamp die Kinder aus Kiesenbach, die im Jahre 1778 der Dogerner Schule zugewiesen wurden. Man schicke diese nach Albbruck, gab man häufig als Grund für das Fehlen an. Nachprüfen ließ sich dies kaum. Erschwerend kam hinzu, dass die Kiesenbacher nicht bereit waren, die Namen der schulpflichtigen Kinder nach Dogern zu melden. Die Eltern taten dies nicht selten erst nach einer entsprechenden Aufforderung. Um die Einhaltung der Schulpflicht in den Griff zu bekommen, wurden Strafen angedroht. Pro Woche Fehlzeit waren sechs Kreuzer zu entrichten. Der Einzug des Strafgeldes oblag dem Lehrer, angesichts von 148 schulpflichtigen Kindern (im Jahr 1778) alles andere als einfach. Gamp beklagte sich denn auch darüber, dass er seitens des Schulvorstands, bestehend aus Bürgermeister, Pfarrer und zwei Gemeinderäten, kaum Unterstützung erfahre. Die Kiesenbacher Kinder besuchten im übrigen bis zum Jahr 1913 die Dogerner Schule.

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Die Besoldung

Bis 1784 bezog der Dogerner Lehrer keinen festen Lohn, vielmehr musste er von jedem Kind pro Woche zwei Kreuzer ziehen. Erst nach der Jahrhundertwende wurde ihm ein festes Gehalt zugestanden, das im Laufe der Jahre mehr und mehr angehoben wurde. Waren es anfänglich noch 50 Gulden pro Jahr, so war man 1850 bereits bei 375 Gulden angelangt. Dieser Betrag war von der Gemeinde, beziehungsweise von den Eltern aufzubringen. Erst ab 1868 erhielt die Gemeinde einen jährlichen Staatszuschuss in Höhe von 34 Gulden. Ergänzend zu seiner Besoldung hatte der Lehrer das Recht, landwirtschaftliche Güter zu nutzen. So wurde die Gemeinde bei einer Ortsbereisung im Jahre 1859 aufgefordert, "für die Schulstelle Dogern einen Morgen Ackerland und einen halben Morgen Wiese zur ständigen Nutzung zur Verfügung zu stellen".

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Das Unterrichtsangebot

Angesichts der großen Schülerzahl verstand es sich von selbst, dass sich die Unterrichtsinhalte auf das Notwendigste beschränkten. Die Kinder übten das Lesen, Schreiben, und Rechnen und lernten Kirchenlieder auswendig. Eine Erweiterung erfuhr das Unterrichtsangebot nur dann, wenn ein zweiter Lehrer, ein "Unterlehrer", zur Verfügung stand. Waren die genannten Dinge in befriedigender Weise eingeübt, durften dann auch "nützliche Gegenstände" behandelt werden, so etwa Geographie, "Vaterlandskunde" oder das "Verfahren bei Scheintoten" (Lebensrettung). Eine eher untergeordnete Bedeutung maß man dem "Industrieunterricht" bei, in dem die Kinder das Nähen und Stricken lernten und der zumeist von einer mehr schlecht als recht ausgebildeten "Arbeitslehrerin" erteilt wurde.

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Der Schulhausneubau 1935/Erweiterung 1962

In einem völlig unzulänglichen Zustand befand sich das Schulhaus auch noch zu Beginn der dreißiger Jahre des letzten Jahrhunderts. In den beiden Klassenzimmern drängten sich 1933/34 127 Kinder, nachdem im Zusammenhang mit dem Kraftwerkbau zahlreiche Familien mit Kindern nach Dogern gekommen waren. Die Gemeinde sah sich daher vor die Aufgabe gestellt, mit einem Kostenaufwand von 100 000 Reichsmark ein neues Schulgebäude zu erstellen. Die Finanzierung bereitete große Probleme, da aufgrund geltender Gesetze kein Darlehen bei öffentlichen Kassen aufgenommen werden durfte. Nach langen, zähen Verhandlungen erklärte sich das Rheinkraftwerk Albbruck-Dogern schließlich bereit, das Projekt mit einem Darlehen in Höhe von 80 000 Reichsmark zu unterstützen. Die Grundsteinlegung erfolgte am 28. September 1935, und am 19. Oktober des folgenden Jahres zogen die Kinder in ihr neues Haus in der Schulstraße ein.

Schulhaus 1935
Bild: Im Jahre 1935 bezogen die Dogerner Kinder ihr neues Schulhaus; Blick von der Schulstraße her

Einen kurzen Unterbruch erfuhr die unterrichtliche Tätigkeit zwischen April 1945 und Februar 1946, als die französische Besatzungsmacht das Gebäude für ihre Zwecke nutzte. Nachdem der Unterricht für einige Zeit ganz ausgefallen war, fand man für die 150 Kinder im "Lebersaal" eine vorübergehende Bleibe.

Schulhaus von Süden
Bild: Blick von Süden her auf das 1935 errichtete Schulhaus

In den sechziger Jahren wuchs die Schülerzahl auf 231 und damit auf den höchsten Stand an, der in Dogern je erreicht wurde. Eine bauliche Erweiterung war erforderlich, die im Herbst 1962 realisiert wurde. Die Kosten beliefen sich auf rund 500 000 Mark. 1974 kam mit einem Kostenaufwand von 1,2 Millionen Mark eine Mehrzweckhalle hinzu, so dass nun auch ein geregelter Sportunterricht erteilt werden konnte.

Gemeindehalle
Bild: Eine der wichtigsten Maßnahmen im letzten Jahrhundert: die Errichtung der Gemeindehalle im Jahre 1974

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Die Schulreform

Umwälzungen ergaben sich Mitte der siebziger Jahre. Stark rückläufige Schülerzahlen und das Gesetz zur Schulreform führten dazu, dass die Klassen 5 bis 9 an die Waldshuter Theodor-Heuss-Schule abgegeben werden mussten. Im Sommer 1977 wurde die letzten Schülerinnen und Schüler entlassen, die alle neun Jahre in Dogern durchlaufen hatten Im Ort verblieb eine reine Grundschule, die derzeit rund 100 Kinder zählt.

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Energetische Erneuerung des "Neubaus" 2009

Eine energetische Erneuerung erfuhr der "Neubau" im Jahre 2009. Über die Einweihung im Oktober berichteten die Tageszeitungen "Südkurier" und "Alb-Bote" wie folgt: "Uns're Schule feiert heut'", sangen die Kinder der Grundschule Dogern am Sonntagmorgen auf der Schulhaustreppe. Grund für die auf allen Gesichtern sichtbare Freude war die Einweihung des mit einem Kostenaufwand von 480 000 Euro renovierten, aus dem Jahre 1962 stammenden Teils des Grundschulgebäudes. "Wer auf eine gute Zukunft hofft, muss auch auf die Schule schauen", stellte Bürgermeister Matthias Guthknecht in seiner Ansprache vor weit mehr als 100 Gästen fest, und nicht ohne Stolz fuhr er fort: "Wir haben ein Signal für junge Familien gesetzt, die hier in Dogern nun ideale räumliche Voraussetzungen für die schulische Ausbildung ihrer Kinder vorfinden." Sein besonderer Dank galt Architekt Ernesto Preiser aus Gurtweil und den Handwerkern: "Die vorgegebene Bauzeit von nur acht Wochen war dank der reibungslosen Zusammenarbeit jederzeit gewährleistet." Die Kinder rief Guthknecht zu einem sorgsamen Umgang auf.

Schulchor
Bild: "Uns're Schule feiert heut'" sangen die Kinder bei der Einweihungsfeier.

Als das vorrangige Ziel der Baumaßnahmen nannte Architekt Preiser die energetische Erneuerung. "Die neue Gebäudehülle, die neuen Fenster und das neu gestaltete Foyer bringen eine erhebliche Energieeinsparung", führte er aus, "und überdies die Vermeidung eines Kohlendioxyd-Ausstoßes von 381 Tonnen pro Jahr." Auf das besondere Interesse stieß seine Mitteilung, dass gegenüber der ursprünglichen Kostenschätzung rund 20 000 Euro eingespart werden konnten. Dem Bürgermeister übergab Preiser eine Daten-CD. Die kirchliche Segnung nahmen Pfarrer Karl Leib von der katholischen und Pfarrer Andreas Hansen von der evangelischen Kirchengemeinde vor. Ausgehend vom Gleichnis vom Sämann gab letzterer seiner Hoffnung Ausdruck, dass der vermittelte Lehrstoff jederzeit auf fruchtbaren Boden fallen und eine reiche Ernte einbringen möge.

Die kirchliche Weihe
Bild: Die kirchliche Weihe nahmen die beiden Geistlichen Pfarrer Karl Leib und Pfarrer Andreas Hansen vor. Mit auf dem Bild: Planer Ernesto Preiser und Rektorin Judith Maier

Für den musikalischen Rahmen sorgte die Jugendmusik Albbruck-Dogern unter der Leitung von Eckehard Heinrich. Viel Beifall erhielten auch die Viertklässler für ihr Lied "Schalalalala", das die Musik als probates Mittel gegen schlechte Laune anpries. Nach dem offiziellen Teil bestand die Möglichkeit zur Besichtigung. Zum Verweilen luden die Elternvertreter mit Kaffee und Kuchen ein."

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Bau der Mensa 2017

Im Jahr 2017 wurde zur Umsetzung des neuen Betreuungskonzepts die Mensa im Keller des Gebäudes eröffnet. Hier haben die Kinder der Ferien- und Schulkindbetreuung einen Ort zum Essen.
Den zugehörigen Zeitungsartikel des Südkurier sehen Sie hier:

Mensa-Artikel

Schulleiter/innen 1894 - heute

    1894 - 1905 Johann Baptist Schlosser
    1905 - 1930 Hermann Reifenschweiler
    1930 - 1945 Amandus Buck
    1947 - 1948 Anton Englert (kommissarisch)
    1948 - 1963 Friedrich Kuner
    1963 - 1973 Anton Englert
    1973 - 1990 Adolf Burth
    1990 - 1991 Regina Paul (kommissarisch)
    1991 - 2004 Alfred Lins
    2004 - 2008 Agathe Widmer
    2008 - 2009 Ulla Schneider / Marliese Heitz (kommissarisch)
    2009 - 2013 Judith Maier
    2013 - 2014 Verena Zweigle / Carmen Tröndle (kommissarisch)
    seit 09/2014 Verena Zweigle


Text von Alfred Lins

Quellen:

    Anton Englert, Dr. Fridolin Jehle: "Geschichte der Gemeinde Dogern"
    Archiv der Schule Dogern

Bilder und Repros:

    Alfred Lins
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